Phettberg Predigtdienst (741)


Kommissar Rehlein - unlösbar

Am 4. September 2003 schrieb ich der Menschheit, ohne dass natürlich irgendwer es las: Treatment für die neue Fernsehserie "Kommissar Rehlein - unlösbar". Und nun, wo eine neue Truppe die Herrschaft im ORF übernimmt, wage ich es, sogar hier zu publizieren:

Kommissar Rehlein sieht aus wie Hermes Phettberg. Er klebt sich immer bei Vernehmungen die ersten zehn bis zwanzig Minuten den Mund mit Leukoplast zu, damit er die Verdächtigen nicht durch Zwischenfragen aus ihrer Sicherheit bringt und sie daher in Ruhe sich hineinreiten können durch ihr Reden.

Rehlein ist niemals imstande, einen Fall zu lösen.

Alle Zuseherschaft vor den Fernsehgeräten aber kriegen alles mit und wissen längst, wer die Tat begangen hat (und wie). Dies alles eröffnet sich Rehlein nie.

Rehlein hat einmal im Lotto "6 aus 45" einen Solojackpot gewonnen und sich den gesamten Betrag in 10-Euro-Scheinen auszahlen lassen. Die stapelte er in sieben Stück zwei Meter dreißig hohe geschmiedete Stahlgestelle, die die Grundfläche genau eines 10-Euro-Scheines haben. Wie bei den Zigarettenvorrichtungen in den Tabaktrafiken werden sie durch Federn immer hinaufgefedert auf diese Höhe von zwei Meter dreißig, die Rehlein gerade noch erreicht, wenn er sich auf die Zehen stellt.

Da er großzügig hinaufgreift, immer und fleißig seine Zehner verteilt, hat er seinen Posten so urlange halten können als Hauptkommissar einer Gruppe von Kriminalbeamten. Sie würden ihn auch lieben ohne seine sieben Stahlstangen.

Rehlein wurde 1952 in Weitra, NÖ, als Erich Übl geboren und ist Sohn einer Hausfrau und eines Essigsieders. Er wurde zuerst Mesner im Stift Göttweig. Machte abituriell währenddessen dann die Matura mittels Fernkurses und studierte dann auch durch ein Fernstudium Jus.

Er hatte eine einzige, aber große Liebesbeziehung während seiner Zeit als Mesner, wo sich ein viel jüngerer Novize in ihn verliebte. Drahtig und zierlich und ein Gesicht voll schlechten Gewissens, wie ein gewisser Moderator mit schamhaften Oberlippenflaum im Bayrischen Fernsehen, der die "Abendschau" moderiert. Obwohl sich Rehlein Monate dagegen sträubte. Sein Lover bat Rehlein gleich in der ersten Nacht darum, ihn mit "Rehlein" anzureden, denn so nannte ständig sein Vater seine Mutter zärtlich. Und weil Rehlein so inbrünstig ständig über diese _ viele Jahre zurückliegende kurze Liebesaffäre berichtete, begannen ihn alle den "Rehlein" zu nennen. Besonders rührend die Geschichte, wie der Novize Rehlein in einer aufgelassenen Jauchegrube mit den Händen nach oben eine ganze Nacht kettete und neben ihm stehen blieb, gleichfalls die ganze Nacht, und ihn fortwährend küsste. Aber nicht zungen-, sondern lippenküsste. So zart und einfühlsam, bis zur Morgenhore geklingelt wurde.

Niemals findet Rehlein einen Bösen, eine Täterin oder einen Täter. Immer bleibt ihm alles schleierhaft und offen. Neben seinen sieben Stangen mit den Scheinchen steht in seiner Kanzlei ein Schreibtisch, wie ihn Derrick hatte, und darauf stehen zwei Büroablagen: "gelöst" (ist vollkommen leer) und "ungelöst" (ist über zwei Meter hoch).

Und immer, wenn er einen Akt schließt, sagt er die gleichen Worte: "Also DER Fall is echt net zu lösen." Mit Betonung auf das Wort "DER", als hätte er bisher sonst immer alle gelöst. Lustig vielleicht zudem: In dem leeren Fach der "gelösten Fälle" steht ein Glas Löskaffee.

Es bleibt immer die Ungewissheit über Rehlein schweben, ob er absichtlich so blöd ist oder nur so tut. Täglich sagt er dutzendmal: "Ich bin mir nicht gescheit genug."